
Zwischen dem 15. und dem 21. September war ich mit zwei Studienkollegen aus Osnabrück und einem alten Schulfreund mit dem Rucksack unterwegs in Norwegen.
Richtig los ging es zwar erst im September; mit dem Gedanken beschäftigt und die Tour geplant und vorbereitet hatten wir uns schon seit einigen Monaten.
Montag, 15. September
Los ging es für Moritz, Jan und mich früh morgens in der NordWestBahn von Osnabrück nach Bielefeld. Nach gefühlten 5 Stunden Zugfahrt traffen wir Tobias in Bremen am Hauptbahnhof und machten uns zunächst auf zu ihm um die letzten Einkäufe zu erledigen und das Gepäck zu wiegen und gerecht zu verteilen.
Nach einem letzten wirklich schmackhaften Döner gingen wir zu Fuß zum Flughafen und checkten ein nach Oslo-Torp.
Nach Ankunft gegen 17:00 Uhr in Norwegen machten wir uns zunächst auf zum Bahnhof um die Verbindungen zu checken. Weil unser Zug nach Geilo mit der Bergen-Bahn erst am nächsten Tag gegen fünf Uhr morgens fuhr, suchten wir uns einen Schlafplatz unter Ausnutzung des Jedermannsrechts.
Allgemein beinhaltet das Jedermannsrecht das Recht jedes Menschen, die Natur zu genießen und ihre Früchte zu nutzen, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen am jeweiligen Grund und Boden. Die Ausübung des Jedermannsrechts ist also nicht von der Zustimmung des Grundbesitzers abhängig.
Ebenso allgemein ist das Jedermannsrecht aber auch beschränkt durch das Erfordernis, dass seine Ausübung weder der Natur noch anderen Menschen Schaden, Störungen oder sonstige Nachteile zufügen darf. Insbesondere ist der häusliche Frieden des Landbesitzers zu achten, so dass z. B. zu Wohnhäusern immer ein angemessener Abstand zu halten ist.
Wikipedia
Dienstag, 16. September
Aufgestanden um vier, dann Zug fahren, einmal Umsteigen und dann mit der spektakulären Bergen-Bahn nach Geilo einer der größeren Ortschaften an der Hardangervidda, die unser Ziel für die nächsten Tage sein sollte.
Leider hab ich fast die gesamte Bahnfahrt hindurch geschlafen und nur wenig von der schönen Landschaft mitbekommen.
Angekommen in Geilo besuchten wir zunächst den Örtlichen Touristikinfopoint, kauften uns eine aktuelle Wanderkarte und machten uns dann auf den weg zum Supermarkt um die letzten Einkäufe zu erledigen.
Im Anschluss fuhren wir mit dem Zug zwei Stationen weiter nach Finse, dem höchsten Bahnhof auf der Strecke Oslo – Bergen.
Finse ist im Grunde nur ein Bahnhof mit Gaststätte, Hotel und einigen Hütten, nur zu erreichen mit dem Rad oder der Bahn.
Nach einem kurzen Rundumblick, bei dem auch dieses Panoramafoto entstanden ist (oben), machten wir uns auf auf die erste Etappe unserer Tour von Finse nach Rembedalseter, nachdem wir uns kurz über das Wetter der kommenden Tage informiert hatten. Dank einem Hurricane-Ausläufer sollte uns die nächsten Tage ein stabiles Hoch mit viel Sonne erwarten.
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Mittlerweile nach Mittag und gut ein bis zwei Kilometern Lauferei befassten wir uns ausgiebig mit unserem Mittagessen (Suppe) mit Blick auf den Gletscher. Bis Rembedalseter sind es von Finse aus ungefähr 20 km, mit 25 kg auf dem Rücken, Start erst gegen Mittag war uns von vorne herein klar, dass wir es nicht schaffen werden und so wollten wir wenigstens ein paar Kilometer hinter uns bringen um uns dann einen angenehmen Schlafplatz unterhalb der Schneefelder zu suchen.

Gegen Abend wurden wir dann auch fündig, allerdings nur, weil wir uns zum Glück verlaufen hatten, denn ich hatte nicht darauf geachtet, dass der Weg über ein Altschneefeld steil nach oben verlief. Doch zu unserem Glück konnten wir einige Meter unterhalb des Feldes eine wunderbare plane Stelle ausfindig machen, mit ausreichend Mutterboden um unsere Zelte aufzubauen.
Nach 2 Portionen Kartoffelbrei mit Fleisch und gerösteten Zwiebeln war mir leider so kalt, trotz Fleece, Softshell, Unterhemd, gefütterter Hose, Handschuhen und Mütze, dass ich mich ins Zelt legte, während die anderen noch schöne Fotos machen konnten.
Mittwoch, 17. September
Morgens war es so kalt, dass das aufstehen um acht Uhr wirklich schwer fiel, doch nach einer Tasse Kaffee und Müsli mit warmer Milch (Milchpulver und Wasser), ging es wieder. Sonne war leider noch nicht zu sehen, nur in weiter Ferne eine Ahnung von dem schönen Wetter, dass uns noch erwarten sollte.
Also machten wir uns gegen 10:00 Uhr auf zur Hütte Rembedalseter. Zunächst mussten wir allerdings den Weg zurückfinden. Zu den Wanderwegen muss ich noch kurz etwas sagen. Die Wanderwege in Norwegen sind zwar sehr gut ausgeschildert, aber gerade in den unwirtlicheren Gegenden nicht als Trampelpfad deutlich zu erkennen, sondern durch auf Steine gemalte rote T’s, die meist in Sichtweite zu einander stehen und zudem noch zu Steinmännchen gestapelt sind.
Den Weg haben wir dann auch zum Glück recht schnell gefunden und uns aufgemacht das Schneefeld zu überqueren. Die nächsten Stunden ging es dann meist über Stock und Stein, durch Schnee und Geröll, Auf und Ab, immer im Schatten des Gletschers, aber bei schönstem September Wetter. Windstill, blauer Himmel, Sonne und absolute Ruhe. Für mich als Mensch vom Dorf und aktuell Städter wirklich ungwohnt und schon ein bisschen gespenstig.
Unser Wasser haben wir übrigens immer aus den frischesten und kältesten Gebirgsbächen abgepumpt. Selten so ein leckeres und frisches Quellwasser getrunken. Das vermiss ich aktuell ein bisschen, genauso, wie die frische Höhenluft am Gletscher.

Unsere obligatorische Mittagspause, die auch jeden Tag wirklich nötig war, hielten wir mit einem großartigen Blick über die Gebirgskulisse bei strahlendstem Sonnenschein ab. Dort entschieden wir uns dann auch für jene denkwürdige Fotos. Kein weiterer Kommentar dazu.
Nach der erfrischenden Mittagspause machten wir weiter auf zur Hütte. Unterwegs trafen wir übrigens nur einmal auf andere Menschen. 3 Jugendliche, die uns am ersten Tag entgegenkamen.
Eine Schwierigkeit mussten wir frisch gestärkt auch direkt meistern, denn eine der nützlichen Sommerbrücken war leider zu kurz beplankt, wie ich feststellen musste, so dass wir uns einen Weg durch einen etwas reißenderen Bach suchen mussten. Dies hat uns leider ziemlich viel Zeit gekostet, weil wir zunächst überlegt hatten, den anschließenden See zu umrunden uns aber zum Glück dagegen entschieden hatten, denn das hätte locker 5-6 Stunden gedauert oder länger, so dass wir auf ca. 1400 m hätten Schlafen müssen und wir zeitlich noch mehr hinterherhinken würden.
Nach dem furten waren wir doch wieder optimistisch es bis zur Hütte zu schaffen und machten uns auf die letzten Kilometer auf. Doch irgendwie hatten wir uns in der Karte verlesen und dachten, dass wir schon viel weiter wären und freuten uns darauf, dass nach jedem Hügel, den wir überquerten endlich die Hütte kommen sollte, was sie aber nicht tat. Irgendwann hatten wir dann die Schnauze voll, zudem die Sonne schon am unterging und wir nach einem sehr beschwerlichen Abstieg keine Lust mehr hatten auch nur einen Meter weiter zu gehen. Zudem hatte Moritz es geschafft seinen Wanderstock durchzubrechen, jener musste auch erst einmal repariert werden.
Somit schlugen wir unser Abendlager vor eindrucksvoller Kulisse auf und ich nahm als allerstes 50g Vollmilchschokolade, meine ganze Tagesration, zu mir um mich wieder aufzupäppeln, denn der Abstieg war wirklich böse und mir schmerzten die Knie und die Muskeln zitterten.
Zum Abendessen entschieden Tobias und ich uns für Nudeln mit Tomatensauce. Danach bin ich auch schon wieder direkt ins Bett gegangen, zu dem wurde es unangenehm kühl. Doch mit Baumwollinlett und langer Unterwäsche, Fleece und vor allem Mütze wurde es recht schnell kuschelig warm.
Donnerstag 18. September
Heute schon um 7 Uhr aufgestanden, gefrühstückt, Kaffee zum wärmen. Die Aktion mit dem warmen Müsli ließen wir diesmal sein, den es hat gelinde gesagt nicht gut geschmeckt. Gegen neun Uhr waren wir dann bereit zum Abstieg zur Hütte und zum See, nachdem jeder noch Wasser aus einem nahe gelegenen Bach gepumpt hat. Zum Glück hatte Moritz seinen Wasserfilter dabei, denn jeden Tag Wasser mit Chlorgeschmack zu trinken ist auch nicht feierlich.
Ich nehme zwar an, dass man das Wasser auch so hätte trinken können, aber wir wollten nichts riskieren.
Der Weg zur Hütte war wirklich schön aber auch ganz schön steil und für meine geschundenen Knie, von denen ich im Laufe des Tages noch so einiges hören würde, nicht gerade förderlich.
Die Hütte Rembedalseter liegt wirklich malerisch in Sichtweite einer Gletscherzunge oberhalb eines großen Fjords an einem wunderbar tiefblauen See. Leider hat, glaube ich, keiner von uns Fotos von diesem Ort gemacht.
Die Hütte haben wir kurz erkundigt, sie war übrigens entgegen unserem erwarten nicht abgeschlossen und wirkte im Inneren sehr gemütlich. Natürlich war niemand anwesend.
Nach einer kurzen Frühstückspause machten wir uns auf den Weg den See zu umrunden, direkt am Gletscher vorbei ging dann auch wieder der Aufstieg los, der es wirklich in sich hatte. Steil, voller Geröll, mit 25 kg auf dem Rücken. Ich als absoluter Anfänger kam mir zwischenzeitlich etwas überfordert vor. Im nach hinein sind wir auch ziemlich blauäugig an die Sache herangegangen, doch dazu später mehr.
Einige Stunden später entschieden wir uns für eine ausgiebige Mittagspause vor einem wirklich unglaublichen Panorama.

Blick auf das 1000m unter uns gelegene Fjord, ab und an kamen ein paar Wolken aus der Tiefe vor uns, verschwanden aber zum Glück recht schnell wieder.
Nach knapp einer Stunde und leckerer Suppe ging es weiter, vor uns lag noch ein Abstieg von ein paar hundert Meter, ein kleines Tal, ein weiterer Aufstieg um ein paar hundert Meter und ein ziemlicher Abstieg auf unter die Baumgrenze zu dem kleinen Örtchen Liseth.
So langsam begann ich die Abstiege zu hassen. Meine Knie schmerzten und zitterten, kontrolliertes Absteigen war kaum noch möglich. So schleppte ich mich noch bis zum Aufstieg und gegen Abend konnten wir auch die Lichter von Liseth ausmachen. Allerdings standen wir gerade am Zenit und vor uns ging es richtig schön herunter. Für uns war klar, dass wir das nicht mehr schaffen würden und entschieden uns somit dafür einen geeigneten Zeltplatz zu finden, was sich leider als nicht so einfach herausstellte, da die Gegend doch sehr sumpfig und uneben ist. Doch ca. eine Stunde später wurden wir fündig und betteten uns im Schatten des Berges.
Freitag, 19. September
Aufgewacht und regen gehört. So ein Scheiß. Die letzten Tage hatten wir wirklich wunderbares Wetter und jetzt regen. Gut, eingeplant war er, klar. Hier regnet es auch öfter und mehr im Jahr, als zu Hause. Also raus aus dem Zelt, gefrühstückt, gepackt, regendicht eingemummelt und los ging es zur Hütte.
Und wir hatten uns schon wieder verschätzt. Anstatt ca. einer Stunde brauchten wir locker zwei Stunden um kamen gegen halb 11 in Liseth an und entspannten uns zunächst mit einem zweiten Frühstück. Zudem klagt auch Tobias über Schmerzen im Knie und irgendwie war die Motivation am Boden. Seit Montag nicht mehr geduscht. Alles durchgeschwitzt. Nass, teilweise auch kalt, trotz Funktionswäsche.
Aufgrund der Knieschmerzen von mir und Tobias entschieden wir uns nach langer Diskussion dafür die Tour an dieser Stelle abzubrechen, zum einen, da von nun an bis Haukeliseter (ca. 6 Tage) keine Straße mehr folgen sollte und zum anderen, da die Knieschmerzen uns dringend zur Pause riefen.
Die nächsten Stunden verbrachten wir dann unter der Dusche, denn in Liseth bietet die örtliche Hütte einen wunderbaren Duschservice an. Von dort aus riefen wir dann auch Dennis in Osnabrück an, der uns umgehend einen neuen Flug für den kommenden Sonntag buchen sollte, zurück nach Bremen.
Damit war für uns klar, dass die nächsten Ziele nicht in der Hardangervidda liegen würden, sonder wir zunächst sehen mussten, dass wir irgendwo hinkommen, von wo aus wir mit der Bahn (am günstigsten) oder mit dem Bus (teuer) zum Flughafen kommen innerhalb der nächsten 2 Tage.
Laut Plan wäre es am sinnvollsten zurück nach Geilo zu fahren. Wie wir allerdings recht schnell erfuhren, wurde der Busverkehr durch Liseth auf Grund des Winters (!) bereits eingestellt. Der nächste Bus fährt erst nächstes Jahr. Aber Trampen sei möglich.
Na gut, also auf zur Straße und trampen. Mit vier Jungs und Gepäck eigentlich aussichtslos. Folglich teilten wir uns in zwei Gruppen auf und nach bereits knapp 20 min hatten Tobias und ich unseren Platz nach Geilo gefunden, wo wir auch nach ca. 2 Stunden ankamen, die anderen nur eine halbe Stunde später.
Dort kauften wir zuerst Fahrkarten nach Torp und suchten uns dann mitten im Dorf einen Schlafplatz. Fündig wurden wir zum Glück auf einer freien Parzelle am Berg, die nicht von anliegenden Häusern direkt einzusehen war und die Nachbarn erlaubten uns dort zu nächtigen und gaben uns sogar noch frisches Wasser zum Kochen mit.
Samstag, 20. September
Die Nacht in Geilo war dann auch die kälteste auf der ganzen Tour. Ich bin morgens irgendwann aufgestanden, bevor die Sonne aufging und bemerkte, dass das Kondenswasser im Vorzelt gefroren war. Sehr schön.
Zum Glück schien die Sonne beim aufgehen direkt aus uns und uns wurde schnell angenehm warm und machten uns entspannt auf zum Bahnhof um unseren Zug zu nehmen.
Im Zug, der übrigens wie alle Norwegischen Züge unheimlich bequem ist, konnte ich endlich die Landschaft genießen, zudem wir die letzten Kilometer zum Bahnhof (habe den Namen der Stadt leider vergessen, wir mussten dort einmal umsteigen) mit dem Bus gefahren sind und noch einige schöne Ecken von Norwegen sehen konnten.
Zurück in Torp am Flughafen kochten wir auf dem Vorplatz unser Abendessen.
Danach suchten wir unsere alte Lagerstätte von Montag morgen auf und konnten entspannt nächtigen.
Sonntag, 21. September
So dass wir am Sonntag ganz entspannt, nach etlichen Runden Doko gegen 17:00 den Flieger nach Bremen nehmen konnten.
Dort holten Moritz, Jan und ich uns als erstes einen Döner und machten uns dann mit dem RE auf nach Osnabrück.
Zu Hause direkt geduscht. Tasche ausgepackt, Schlafsack gelüftet und ab ins Bett.
Resümee
Eigentlich war geplant vom 15. bis zum 25. September in Norwegen zu bleiben und in der Zeit von Finse nach Haukeliseter zu wandern. Leider hatten wir einige Faktoren nicht bedacht und wurden so zur Aufgabe bezwungen.
Unerfahrenheit. Ganz klar. Für uns alle war es die erste große Tour über eine so lange Zeit ohne Kontakt zur Zivilisation. Wir hatten uns nicht ausreichend informiert über die örtliche Geologie, mit dem Wetter hatten wir richtig Glück.
Gewicht. Wir hatten zu viel dabei. 20-25 kg bei dem Gelände ist vielleicht machbar aber definitiv nicht für mich. 15 kg wären in Ordnung gewesen, so wurde irgendwann jeder Kilometer zur Qual.
Aber wir haben daraus gelernt hoffe ich, so dass die nächste Tour nicht nach 2 Tagesetappen enden muss. Denn trotz allem war es eine wunderbare Erfahrung.






Ein Kommentar
hey felix.
interessant und schön ausführlich
viel erfolg morgen!